Tagebuch einer Schwanenrettung
15.1.2010 – Anruf einer Anwohnerin am Griebnitzsee, ein Jungschwan hätte einen Angelhaken verschluckt und nimmt keine Nahrung mehr auf.
TSV meldete es dem Veterinäramt, dieses meldete es dem Ordnungsamt, dieses meldete es der unteren Jagdbehörde, diese meldete es dem Bundesforstamt – und es passierte nichts. Niemand versuchte, dem Schwan zu helfen.
16.1.2010 – Mitglieder des TSV, die Anwohnerin und ein Mitglied vom NABU versuchten vormittags bei eisiger Kälte, mit Fangnetz und Kescher den Schwan einzufangen. Die erbetene Wasserschutzpolizei hatte keine Boote im Wasser und konnte nicht helfen. Die gerufene Feuerwehr stieß dazu, mit Schlauchboot, Wassermann und Leinen. Kein Erfolg.
Am Nachmittag versuchte der verständigte Fischer, der als einziger noch mit einem Motorboot unterwegs war, den Schwan zu fangen. Vergeblich.
17.1.2010 – Alle Schwäne waren wie vom Erdboden verschluckt.
18.1.2010 – Die Schwanenfamilie war zurückgekommen, aber beim Eintreffen des TSV schon wieder verschwunden. Die Organisation Aktion Tier gab uns einen wertvollen Tipp zum Einfangen des Schwanes.
19.1.2010 – Nachbarin meldete am Nachmittag, die Schwäne wären wieder da. Die Anwohnerin hielt die Schwäne mit Futter bei Laune und in der Nähe. Alles ging dann ganz schnell. Wie wir den Schwan gefangen haben, bleibt ein Geheimnis. Wir brachten ihn dann sofort in die Unitierklinik Düppel Berlin zur Notaufnahme. Dort wurde er untersucht und geröntgt. Einen Haken hatte er nicht verschluckt, aber eine Angelsehne hatte den unteren Schnabel und die Zunge mehrfach so fest umwickelt, dass sie sich tief in die Zunge und in den Schnabel geschnürt hatte. Der Schwan wäre qualvoll verhungert.
21.1.2010 – Anruf aus der Klinik Düppel, der Schwan frisst alleine und die Wunden sehen so gut aus, dass er in Freiheit gelassen werden kann. Im Beisein der Anwohnerin, der Nachbarin und von PTV ließen wir, Freude strahlend, unseren Glücksvogel zu Wasser und durften miterleben, wie kraftvoll und anmutig er sich in die Lüfte schwang und sich später an einem ruhigen Plätzchen ausgiebig putzte.



