Tierleid in Frauenhagen – Ein gesellschaftliches Problem
Die Gesellschaft wird auch zukünftig nicht verhindern können, dass einzelne Menschen in ihren eigenen vier Wänden – ob Haus oder Stall – ihre Tiere quälen. Diese Tierquälerei kann viele Ausprägungen haben, eine davon ist das Vernachlässigen der Tiere.
Jedoch muss unsere Gesellschaft, bekannt gewordene Fälle sofort beenden. Ein Zuwarten ist nicht hinnehmbar. Hierbei müssen alle zur Verfügung stehenden Mittel und Wege ausgeschöpft werden.
Sollten die Ermittler in solchen Fällen nicht in der Lage sein, das wahre Ausmaß einer Situation zu erkennen, haben sie ihren Beruf verfehlt und müssen ausgetauscht werden.
Wenn, wie in dem Fall in Frauenhagen (Uckermark), wo Pferde und Kühe seit Jahren öffentlich – und nicht etwa hinter verschlossenen Türen – Not leiden, dann haben die zuständigen Ermittler Mitschuld an diesem Leid.
Wenn, wie in diesem Fall, auch noch seit Jahren massiv auf die Missstände hingewiesen wird, den Ermittlern Beweise vorgelegt werden und ebenfalls seit Jahren bereits öffentlich darüber berichtet wird, dann haben hier nicht nur der Halter und die Ermittler versagt, sondern der ganze behördliche Apparat und dessen Auftraggeber und Kontrollinstanz, die Politik. Letztendlich aber diese Gesellschaft.
Es wäre zu einfach sich jetzt einen einzelnen Sündenbock herauszupicken und wieder zum Tagesgeschäft überzugehen. So ein Fall von multiplem Versagen kann nur geschehen, weil die Gesellschaft zu viele Egoisten und Angsthasen hervorbringt und zulässt, dass die Aufrechten als Extremisten oder Träumer diffamiert werden.
Brandenburg hatte in den Jahren vor 2006 schon mal einen ähnlichen Fall wo nach jahrelangem Zögern der Ämter erst auf massiven Druck der Medien 230 Hunde aus katastrophaler Haltung in Liebenwalde gerettet wurden. Es scheint, als habe man nichts dazugelernt.
Die vorgebrachten Argumente, warum in Frauenhagen trotz der jahrelangen Kenntnis der Verhältnisse noch keine entscheidende Verbesserung für die Tiere eingetreten ist, sind reine Augenwischerei. Selbstverständlich liegt es nicht daran, dass ein trickreicher und listig-schlitzohriger Halter in der Lage war die Ermittler jahrelang auf Distanz zu seinen Tieren zu halten. Die Ermittler scheuen sich vor der Konsequenz die ein verantwortungsvolles Einschreiten nach sich ziehen würde und spielen lieber seit Jahren mit dem Leben und Wohlergehen der Tiere russisches Roulette, in der Hoffnung, dass sich das Problem auf irgend eine Weise von alleine löst.
Der Staat (die Gesellschaft) hat die Macht und die Pflicht die Haltungsbedingungen sofort zu beenden, indem er in Ersatzvornahme geht. Dies kostet selbstverständlich Geld. Eventuell sogar viel Geld, aber dies hat der Staat (die Gesellschaft) sich selbst zuzuschreiben. Mit Geld kann den Tieren sofort, heute noch, geholfen werden. Ein Tierarzt muss beauftragt werden, die Tiere zu untersuchen, und ein Landwirt muss beauftragt werden, sie zu versorgen. Die beiden wiederum beauftragen alle anderen hierfür notwendigen Gewerke und Dienstleister. Es ist nur eine Frage des Geldes. Mit Geld lassen sich feste Zäune bauen, eine winterfeste Tränke einrichten, täglich frisches Futter zu den Tieren bringen, die Pferde von den Kühen trennen und die kranken Tiere entweder tierärztlich versorgen oder da, wo es gilt Leiden zu verhindern, diese Tiere erlösen. Die Frage ob die Kosten der Ersatzvornahme dann zurückgefordert werden können, kann später geklärt werden und darf jetzt keine Rolle spielen. Tierschutz ist Aufgabe der Gesellschaft.
Es muss noch heute eine Entscheidung getroffen werden, und, wenn die eigentlich zuständigen Behörden dazu nicht fähig sind, dann muss sie in der Staatskanzlei getroffen werden.
Niklas Wanke
Vorsitzender des Tierschutzvereins Potsdam und Umgebung e.V.
Drama auf der Koppel – Warum notleidenden Tieren nicht geholfen wird



