Ponys sind keine Rasenmäher!
Pressemitteilung 06.05.2009 – Ponys sind keine Rasenmäher!
Der TSV Potsdam weist ausdrücklich darauf hin, dass auch kleine Ponys nicht dazu geeignet sind, sie nur als Rasenmäher im Garten zu halten. Pferde benötigen als hochsoziale Lauftiere viel Platz und täglich ausreichend sinnvolle Bewegung sowie Gesellschaft von mindestens einem Artgenossen! Eine Koppelfläche muss mindestens 300 m2 betragen.
Wenn Fohlen gehalten werden, benötigen diese außer ihrer Mutter noch mindestens ein anderes Fohlen bzw. Mutterstutenpaar, um artgerecht aufzuwachsen und ein gesundes Sozialverhalten zu erlernen. Fohlen und Jungpferde sind frühzeitig an das Aufhalten für Hufpflegebehandlungen zu gewöhnen. Hufe müssen regelmäßig auf Ihren Zustand geprüft und so gepflegt werden, dass die Gesunderhaltung des Hufes gewährleistet ist. Unbeschlagene Pferde sind in der Regel alle 6 bis 8 Wochen auf Stellung und Abnutzung der Hufe zu kontrollieren und bei Bedarf zu korrigieren.
Ein Hufschmied kürzt zu lang gewachsene Hufe, bevor es zu Fehlstellungen kommt, oder greift ein, wenn Hufe durch das Reiten zu stark abgenützt sind. Diese Hufe werden durch Hufeisen geschützt, so dass das Pferd ohne Schmerzen weiter laufen kann.
Eine leistungsgerechte Fütterung – wenn die Pferde z.B. geritten oder gefahren werden oder wenn Zuchtstuten Leistungen erbringen im Sinne von Trächtigkeit oder Fohlenaufzucht – kann gerade bei sehr kleinen Pferden nicht einfach sein. Überfüttert man Ponys, so können sie sehr erkranken (Hufrehe, Verfettung). Füttert man eine hohe Leistung erbringende Tiere zu wenig, so magern sie ab und entwickeln Mangelschäden.
Völlig ungeeignet zur Pferdefütterung sind Küchenabfälle. So manch gut gemeinte Gabe von Kartoffelschalen und Kohlabschnitte, frisches Brot o.ä. haben schon schwere Bauchkrämpfe (Koliken) bei Pferden ausgelöst, die bisweilen auch tödlich enden können. Füttern sie nie fremde Pferde ohne Erlaubnis der Besitzer. Erfreuen sie sich lieber an Ihrem herrlichen Anblick!
Wasser muss den Pferden grundsätzlich ständig zur Verfügung stehen. Falls dies in Ausnahmefällen nicht möglich ist, muss Wasser mindestens dreimal täglich bis zur Sättigung verabreicht werden. Das gilt auch für die kalte Jahreszeit. Tränken sollten frostgeschützt sein. Ein Richtwert für den üblichen Wasserbedarf bei Pferden sind 3-5 l/100kg Körpermasse. Während der Säugeperiode verdoppelt sich der Bedarf laktierender Stuten. Auch und gerade bei strengem Frost, der alles einfrieren lässt wie im letzten Winter, muss Wasser immer bereitstehen.
Sinnvolle Körperpflege ist für das Wohlbefinden der Pferde unerlässlich. Pflegemaßnahmen fördern das Vertrauen und sind eine Möglichkeit für soziale Kontakte. Je weniger soziale Kontakte zu Pferden oder anderen Tieren gegeben sind, desto mehr sind die Pferde auf Kontakte zu Menschen und sinnvolle Beschäftigung angewiesen.
Um eine angemessene Betreuung überhaupt erst zu ermöglichen, müssen Pferdehalter Sorge tragen, dass die Pferde vertraut im Umgang mit Menschen sind. Erforderliche Pflegemaßnahmen, z.B. die Hufkorrektur, oder tierärztliche Behandlungen sind unter derartigen Bedingungen erschwert bzw. werden oft gänzlich unterlassen. Pferde sollen zudem mindestens einmal täglich auf Schäden und Krankheitsanzeichen kontrolliert werden. Bei Erkrankungen ist rechtzeitig ein Tierarzt hinzuziehen. Gegen Infektions- und Invasionskrankheiten ist eine Vorsorge zu treffen, so durch Wurmkuren.
Und wenn das alles nicht getan wird? Pferde leiden stumm. Wir sind sehr froh, das wir 3 Ponys aus der Potsdamer Innenstadt aus einer Haltung übernehmen konnten, bei dem all das, was oben geschildert ist, nicht möglich war.
Es war ein langer Weg, den wir gemeinsam mit den Amtstierärzten des Potsdamer Veterinäramts gegangen sind. Ein Weg, bei dem über Hilfestellung, Beratung , Schulung und Unterstützung des Besitzers alles versucht wurde, um den Pferden vor Ort eine gute Versorgung zu kommen zu lassen. Leider gelang dies nicht. Letztendlich übergab uns das Veterinäramt die Pferde, um sie artgerecht in einer Pflegestelle des TSV Potsdam unterzubringen.
Es bleibt zu hoffen, dass die Ponys keine gravierenden Langzeitschäden davongetragen haben. In unserer Pflegestelle werden sie nun aufgepäppelt und tierärztlich versorgt. Nach Abschluss des Verfahrens sollen sie in sachkundige liebevolle neue Hände abgegeben werden.
Dies ist, nach vielen Notfällen bei anderen Tierarten, der erste Pferdenotfall, den der TSV Potsdam betreut. Tierschutz betrifft eben alle Tierarten – vom Kleintier bis zum Großtier, vom Haustier bis zum Nutztier. Und je nach Tierart oder Rasse sind völlig unterschiedlich Bedürfnisse zu erfüllen.
Bitte helfen sie mit, damit der Sachverstand über die Tierhaltung größer wird! Informieren Sie sich vor dem Tierkauf über die besonderen Bedürfnisse der Tiere und verzichten Sie auf kompliziert zu haltende Tiere, für die der Platz oder die Zeit oder eben auch die finanziellen Mittel nicht ausreichen um Sie artgemäß zu halten, pflegen und füttern, so wie es das Deutsche Tierschutzgesetz vorschreibt !
Danke im Namen der Tiere!
Anja Schlichting (2.VS des TSV Potsdam e.V.)



