Sind Katzen Fundtiere zweiter Klasse?
Pressemitteilung vom 09. April 2009
Kein anderes Haustier ob Hund, Hamster oder Kaninchen löst, wenn es als Fundtier gemeldet wird, ähnliche Reaktionen bei den zuständigen Stellen aus wie die Katze. Anrufe betroffener Bürger beim Tierschutzverein belegen dies. Die Annahme von Katzen als Fundtier seitens der Ämter werden aus unterschiedlichsten Gründen abgelehnt, obwohl der Runderlass des Innenministers seit 1993 unverändert gilt. Dort heißt es: „Im Zweifel hat die Fundbehörde bis zum Nachweis des Gegenteils davon auszugehen, dass es sich bei Fundsachen oder Fundtieren um verlorene Sachen oder Tiere handelt.“
Ein unverkennbares Zeichen, dass es sich bei Katzen um sogenannte Freigänger oder ausgesetzte Tiere handelt, ist ihre Zutraulichkeit zu Menschen. Trotzdem lassen sich nicht alle Freigänger auf den Arm nehmen, und fängt man sie ein, werden sie unter Umständen erst recht zu wahren Kratzbürsten. Die langjährigen Erfahrungen des Tierschutzvereins haben gezeigt, dass die meisten, anfänglich wehrhaften Katzen*, nach ein paar Tagen in ruhiger Umgebung zutraulich werden und sich auch von fremden Menschen anfassen lassen. Dies ist aus Sicht der Tierschutzvereine die einzige sichere Methode um festzustellen ob eine Katze ein Fundtier ist oder nicht, wenn äußere Anzeichen wie Halsband, Kastrations-, Operationsnarben oder Chips fehlen.
Die Freigänger die schon länger unabhängig unterwegs sind oder traumatische Erlebnisse* hatten – das geht von Fenster- oder Balkonstürzen über Autounfälle bis hin zu Hundeattacken – verhalten sich oftmals fremden Menschen wie auch den eigenen Besitzern gegenüber zurückhaltend. Man kann auch sie dann nur noch per Falle einfangen.
Zudem verlernen ausgesetzte** Katzen den Kontakt zu Menschen und werden immer scheuer. Auch sie müssen ab einem gewissen Grad der Entfremdung per Falle eingefangen werden, gewöhnen sich jedoch wieder an den Kontakt mit Menschen.
Die Behörden lehnen entgegen der Weisung durch ihren Dienstherren (s.o.) die Annahme der Fundkatzen lange bevor sie es sicher überprüfen können, z.B. durch in Augenscheinnahme, Überprüfung mit einem Chiplesegerät oder Beobachtung für ein paar Tage in ruhiger Umgebung, schon telefonisch mit folgenden Begründungen ab:
1. In den Fällen wo es um scheue Katzen geht, sagen sie, dass sie nur für Haustiere zuständig sind, diese Katzen aber weil sie sich wild gebärden (s.o.), wären den Wildtieren zu zuordnen.***
2. Wenn ihnen eine freilaufende Katze gemeldet wird, sagen sie, dass sie erst kommen, wenn die Katze eingefangen wurde, weil sie seien nur für die Abholung und den Transport zuständig.****
3. Ist dann aber eine Katze vom Bürger eingefangen worden, sagen sie, dass nun der Bürger für die Katze zuständig sei, weil eine Falle verwendet wurde.
4. Ebenso wenn eine Katze dem Bürger zugelaufen ist und von ihm bereits versorgt wurde, sagen sie, dass nun der Bürger für die Katze zuständig sei, weil er die Katze bereits mit Futter oder Wasser versorgt hat.
5. Oder wenn eine Katze zugelaufen und zahm ist, wird sie auch nicht angenommen, weil sie wild sein könnte und erst durch anfüttern gezähmt sein könnte. (Erna November 08)
6. Wenn eine Katze zugelaufen und zahm ist, soll sie wieder ausgesetzt werden, weil sie jemandem gehört. (07.04.2009)
7. Das Amt ist nur für Fundtiere zuständig, also Tiere die einen Besitzer haben. (08.04.2009)
Bei diesen sehr unterschiedlichen sich teilweise widersprechenden Argumenten kann die Annahme jeder Katze wegen Nichtzuständigkeit abgelehnt werden. Damit würde jedes Tierheim für Katzen überflüssig werden.
Viele Katzen (s. u.) fanden auf diese Weise im letzten Jahr nicht mehr den Weg ins sichere Tierheim und damit auch nicht mehr zurück zu ihren Besitzern. Immer mehr Katzen “verwildern” und bleiben unkastriert. Dies führt zu einer wieder ansteigenden Population von streunenden Katzen, die mit immer größer werdendem Aufwand versorgt werden muss und zu immer mehr Katzenleid.
Die Versorgung gehört nicht zu den Pflichtaufgaben der Gemeinden, und wird den Tierschutzvereinen überlassen. Letztendlich zahlt aber die immer teurer werdende Zeche der Bürger, ob durch Spenden oder durch Steuern.
Jedes andere Haustier ob Hund, Hamster oder Kaninchen wird von den zuständigen Stellen in der Regel ohne Probleme angenommen.
Katzen sind also seit einem Jahr Fundtiere zweiter Klasse!
Fußnoten
* Ein bekannter Fall war die Katze die monatelang mit einem Bein im Halsband umher lief und sich nicht einmal mehr von den Besitzern anlocken, geschweige denn anfassen ließ. Sie musste mit der Falle gefangen werden und konnte nur mit Hilfe eines Zwangskäfig für die notwendige OP in Narkose gelegt werden. Wenige Tage später war sie wieder ganz die alte.
** Das Aussetzen von Tieren ist eine Straftat und kann nur verfolgt werden, wenn man die Opfer einfängt und mit Ihrem Foto nach den Tätern sucht.
*** Zum Glück gehören Katzen nicht zu den jagdbaren Wildtieren, sondern sind, egal wie scheu oder wie lange sie schon streunen, Haustiere. Ja selbst wenn sie schon in Freiheit geboren wurden, sind sie immer noch Hauskatzen, die als Kulturfolger unsere Hilfe zum Überleben benötigen. Allein auf sich gestellt wären sie nicht überlebensfähig.
Unsere Hauskatzen stammen von der Falbkatze (Felis sylvestris lybica) ab und wurden schon im Alten Ägypten domestiziert von wo aus sie als Kulturfolger ihren Siegeszug über alle fünf Kontinente antrat. Sie sind deutlich kleiner als die auch in Europa beheimateten Wildkatzen (felis sylvestris). Wildkatzen gibt es in unser Region nicht. Nicht einmal in Brandenburg. Alle in unserer Region lebenden Katzen sind Hauskatzen ob scheu oder zahm und sind ohne den Menschen nicht überlebensfähig.
**** Die Zuständigkeit erstreckt sich laut der Potsdamer Ausschreibung zur Fund- und Verwahrtierbetreuung auch auf die Bergung also das Einfangen von Tieren.
Nähere Informationen:
Im Jahr 2008 wurden 360 Potsdamer Fundtiere betreut.
In den Jahren 2003 bis 2007 wurden im Schnitt jährlich 720 Potsdamer Fundtiere betreut.
Zwei ausgesetzte rote Katzenwelpen, Mai 2008 wurden vom Amt nicht abgeholt weil sie nach Ansicht der Behörden angeblich von Wildkatzen gezeugt wurden. Rote Katzen in der Natur sind seltener als ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl.
Schulkatze 11.09.2008 wurde trotz offensichtlicher Notlage nicht vom Amt abgeholt, der TSV barg sie und brachte sie zur Tierklinik wo sie wegen Unterkühlung nicht mehr gerettet werden konnte. Eine Anzeige ist anhängig.
Nikita 19.11.2008, wurde trotz Trümmerbruch vom Amt nicht abgeholt, der TSV barg sie, ließ sie zweimal operieren und vermittelte sie.
Barcadi 27. – 29. 11.2008, saß drei Tage auf einem Baum wurde vom Amt nicht geborgen, der TSV und Anwohner organisierten die Rettung durch das THW, sie ist glücklich vermittelt.
Erna November 2008 die von einem Tierarzt gemeldete zahme Katze wurde von Amt abgelehnt und erst nach Intervention durch den TSV abgeholt.
Einstein 07.04. 2009, wurde aus Personalnot (Bombenentschärfung) nicht vom Amt abgeholt, der TSV brachte sie zum Tierarzt und versorgt sie.
Katzenmutter mit 7 Welpen 08.04.2009 wurden vom Amt nicht abgeholt, sie werden derzeit von dem Finder versorgt.



