Tierschutzverein Potsdam und Umgebung e.V.

 


Mitglied im Deutschen Tierschutzbund

„QUALITÄT HAT – AUCH BEI RASSEKATZEN – IHREN PREIS!“

Pressemitteilung vom 10. Januar 2011

…steht auf einer Homepage von Rassekatzenzüchtern und man findet  bei den Fotos  der Perserkatzen ausschließlich Tiere mit verstümmelten Gesichtern. Die durch Zucht verkrüppelten Nasen erschweren den Katzen oft das Atmen und die viel zu engen Tränenkanäle der Augen verstopfen schnell, so dass die Tiere lebenslang „weinen“. Solche und noch viel schlimmere Züchtungen, denken Sie nur an Nacktkatzen, fallen unter den Oberbegriff Qualzucht. Das Fell der abgebildeten Tiere hat anscheinend eine Pflege – Odyssee´  hinter sich, jedes Haar liegt am richtigen Platz. Die Tiere auf den Fotos wissen anscheinend, dass sie sofort zurechtgerückt werden, falls sie es wagen, sich zu bewegen, sie dürfen lediglich atmen, aber ja nicht blinzeln im Moment des Fotografierens!

Hat es etwas mit Tierliebe zu tun, wenn der Mensch sich das Wesen oder Aussehen einer Katze so zu recht züchtet, dass es genau seinen Vorlieben entspricht? Wo bleibt das gesunde Gewissen, wenn „Katzenfreunde“ weltweit weiter selektieren und bestimmte Eigenschaften der Katzen über den Gipfel der Zumutbarkeit züchten? Brauch eine Katze abgeknickte Ohren oder Locken? Muss ihre Nase so eingedrückt sein, so dass sie nicht mehr atmen kann? Muss das Fell so lang und dicht sein, dass sie gar nicht in der Natur überlebensfähig ist? Sind Nacktkatzen auf Ausstellungen Zufall? Ist die Selkirk Rex die bessere Alternative zur viel zu pflegeintensiven Perserkatze? Soll die Abessinier den Löwen im Wohnzimmer ersetzen? Passt die Chartreux von der Fellstruktur her besser zum Wohnzimmerteppich als die Russisch Blau? Rettet nur der Siamkater als Geschenk die Ehe?

Warum ist das zauberhafte Wesen einer ganz normalen Europäischen Kurzhaarkatze nicht gut genug? Ist der Anmut und die Eleganz einer solchen gesunden, wohl proportionierten  Katze, die es in allen Farbenvariationen gibt, für einen Teil der Menschen zu langweilig? Glauben bestimmte Menschen, sich, wenn überhaupt, vorteilhaft von der normalen Masse  abzuheben, indem sie eine andersartige Katze besitzen? Müssen denn immer verrücktere  Katzen – Erscheinungsbilder geboren werden, um auch den ganz abgefahrenen Menschen Befriedigung zu verschaffen?

Klar, an dieser Stelle fallen all diesen Rassekatzenfans tausend Gründe pro Rasse-katze ein. Und ich höre sie fluchen, weil ich ihnen ja nun solch ein Unrecht antue.

Warum geben Menschen hunderte bis über tausend Euro für eine Rassekatze aus und schenken einer ganz normalen schwarzen Katze nicht einmal einen Blick? Sehen nicht alle Katzen, abgesehen von leicht unterschiedlichen Verhaltensweisen und Körperformen, unter ihrem Pelz gleich aus? Sind  all die tausend Katzen in den Tierheimen nicht liebenswert? Haben nicht gerade sie es verdient, in Obhut genommen zu werden? Sie wurden und werden geboren, verstoßen, gefunden, ja für viel Geld mit  Liebe gepäppelt und versorgt   – sie sind wahre Werte!

Wann ist der Respekt  bestimmter Züchter vor  den Rassekatzen verlorengegangen? Auf einer Ausstellung sieht man gestresste Tiere, die lieber andere Dinge machen würden, als angeglotzt und ständig angefasst zu werden. Diese Tiere haben sicherlich  schon lange resigniert, weil ihre Halter konsequent ignorieren, dass sie es hier mit einem, wenn auch optisch und psychisch jahrhundertelang vergewaltigtem – Raubtier zu tun haben.

Wann wird der Mensch noch weiter gehen, den Katzen die Krallen, die Reißzähne, die Barthaare, den Schwanz – ja die Seele wegzüchten? Als Tipp – Plüschtiere gib es schon, mit denen kann man alles machen! Sie wundwaschen, stundenlang kämmen, aus dem Fenster werfen, verhungern lassen, schlagen, aussetzen und Kindern schenken.

Bleiben am Ende drei Fragen: Rassekatzen haben ihren Preis, aber welchen Preis müssen Rassekatzen für den Menschen zahlen? Kann man den Preis für  Leid in Geld definieren? Und wussten Sie, dass  neben Katzen beispielsweise auch Millionen Hunde, Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner, Tauben und  andere Tierarten unter Zuchtexperimenten der Menschen leiden müssen?

Anke Drohla,
Vorstandsmitglied des Tierschutzvereins Potsdam und Umgebung e.V.

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