Tierschutzverein Potsdam und Umgebung e.V.

 


Mitglied im Deutschen Tierschutzbund

Rückblick, Draufsicht, Ausblick

Pressemitteilung vom 4. April 2011

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Ein Tierheim muss gebaut werden – dorthin, wo es Mensch und Tier damit am besten geht“ Sabine Schickedanz am 26.02.2011 in der PNN.

Diesem Satz ist nichts hinzuzufügen. Angesichts der aktuellen Entwicklung in Sachen Tierheimneubau trotzdem oder gerade deswegen einige Überlegungen, Anmerkungen und Argumente seitens des Tierschutzvereins Potsdam und Umgebung e.V. zu dem Weg der hierher führte, zu der jetzigen Situation und Diskussion und zur Zukunft des Potsdamer Tierheims.

Was ist Potsdams Ziel? Will Potsdam nur seine Pflicht erfüllen oder mehr?

Nur die Pflicht erfüllen könnte man mit Beelitz, Wachow oder Kremmen. Gegen diese reine Pflichterfüllung hat sich das Stadtparlament bereits 2008 ausgesprochen. Ziel ist es demnach, dass Potsdam ein eigenes Tierheim bekommt. Alles andere wäre auch einer Landeshauptstadt nicht angemessen.

Die Stadtverwaltung hat nach einem klassischem Fehlstart (versteckte Öffnungsklausel in der 1. EU-weite Ausschreibung, womit die Vorgabe des Stadtparlaments nicht eingehalten wurde) dieses Ziel noch höher gesteckt und damit klar vorgegeben, dass Potsdam Klassenbester und nicht Mittelmaß sein will. Dieser Ehrgeiz ist lobenswert und sollte unbedingt aufgegriffen werden. Bisher wurde das gesetzte Ziel aber nicht erreicht. Warum? Zum einen ist das anvisierte Ziel nicht gut ausgewählt worden aber vor allen Dingen ist die Umsetzung bisher unzureichend gewesen.

Das Ziel ein Sozialprojekt anzukoppeln ist zu hoch gesteckt gewesen, kann unter den vorgegebenen Prämissen und dem Kostendruck nicht sinnvoll erreicht werden und sollte keinesfalls gleichzeitig mit der Eröffnung des Tierheims starten. Schon jetzt ist erkennbar, dass man weit unterhalb dieses Ziels bei althergebrachten Maßnahmen, die mit Sozialtherapie gar nichts und mit Sozialpädagogik wenig zu tun haben, landen wird. Dies widerspricht eklatant der Ausschreibung, die eindeutig mehr fordert. Somit ist diese Zwangskopplung ad absurdum geführt und sollte nun endgültig aufgegeben werden. Das Ziel muss nun neu formuliert werden. Ein sinnvoll zu vereinbarendes Ziel wäre ein ökologisch nachhaltiger Bau und Betrieb eines Tierheims und eine spätere Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendbildung.

Was die Umsetzung angeht gibt es nichts positives hervorzuheben. Um das Ziel zu erreichen hätte man das ehemalige Tierheim nicht schließen müssen. Die Schließung des ehemaligen Tierheims vor der Eröffnung des neuen Tierheims war ein Kardinalfehler kommunalen Verwaltungshandelns. Aus zwei Gründen. Zum Einen hätte die Aufgabe dort erheblich günstiger erfüllt werden können und zum Anderen hätte damit das gemeinnützige Angebot des TSV für die Potsdamer im vollem Umfang aufrecht erhalten werden können.

Es gibt keine Erklärung dafür, warum man in dem ehemaligen Tierheim, in dem man bislang 1600 Tiere jährlich unterbringen konnte, nun keine 240 Tiere artgerecht versorgen kann. Die Verträge mit den Umlandgemeinden zu kündigen wären eine mögliche Maßnahme gewesen, wenn es um das Tierwohl gegangen wäre.

Zum Kostenargument ist vieles zu sagen, da es ein besonders unrühmliches Kapitel ist. Die Kosten sind gestiegen, die Leistung ist jedoch stark zurückgegangen. Während die Jahrespauschale fast identisch geblieben ist, muss nur noch ein Drittel der Leistung erbracht werden. Zahlte man früher 126.000 Euro für die Betreuung von 720 Tieren, zahlt man nun ca. 100.000 Euro für die Betreuung von gerade einmal 240 Tieren. Zumal die gesparten 26.000 Euro durch die kostspielige 24 stündige Rufbereitschaft und den Transport, die an die Stadt gefallen sind. und andere Ausgaben mehr als aufgebraucht werden. Mit den 26.000 Euro bezahlt die Stadt jetzt ihre Ordnungsamtsmitarbeiter (Arbeitsstunden in unbekannter Größenordnung sind hierfür notwendig) inkl. Aufschläge auf deren Löhne (300 Euro/Monat/Mitarbeiter), die Kfz-Kosten und die Spritkosten jeweils zu berechnen für mindestens 240 Fahrten à 70 km, die Kosten für die
Nachtbereitschaft (ca. 8.000 Euro/Jahr) und eine Summe von 5.000 Euro für die Beseitigung toter Tiere. Nicht  vergessen sollte man die Kosten für die Beschäftigung der ehemaligen Tierheimmitarbeiter in der Stadtverwaltung und die Kosten für die Ausbildung der Tierheimauszubildenden von 70.000 Euro. Des weiteren kostete laut Verwaltung jede der drei deutschlandweiten Ausschreibungen 8.000 Euro und jede der vier europaweiten Ausschreibungen 16.000 Euro. Ob hierin die Kosten für die externen Berater schon eingerechnet sind bleibt offen. Eins wird überdeutlich, im Schnitt hat die Stadt weitaus mehr als nur 126.000 Euro/Jahr ausgegeben und bekommt dafür gerade einmal ein Drittel der bisherigen Leistung.

Unabhängig von aller Kostenrechnung müssen aber auch noch die übrigen Folgen der Entscheidung, das ehemalige Tierheim zu schließen, benannt werden. Hierdurch wurde eine kommunale Einrichtung, in diesem Falle war es die einzige seiner Art, mit seinen Leistungen für die Stadt, die weit über die Fundtierbetreuung hinausging, ersatzlos geschlossen. Der ehrenamtlich arbeitende Verein, der sich für das Allgemeinwohl einsetzt, ist hierdurch in einem
unzumutbaren Maße geschädigt worden. Hierzu seien nur ganz kurz zur Verdeutlichung ein paar Zahlen genannt. Der TSV musste Lohnfortzahlungen in Höhe von 50.000 Euro leisten, ohne die Mitarbeiter beschäftigen zu können, Umzugskosten in fünfstelliger Höhe tragen und anderweitige vertragliche Bindungen in Höhe von 16.000 Euro erfüllen. Ein solches Vorgehen gegenüber einem treuen, verlässlichen und kompetenten Partner entbehrt jeglicher Logik und ist
ein besonders gravierender Fehler, da unsere Gesellschaft das Ehrenamt braucht und es pflegen sollte, um mit allen Aufgaben die sich unserer Gesellschaft stellen, fertig zu werden. Aber auch die Klage gegen den Verein war vor dem Hintergrund der Umstände völlig überzogen und in Anbetracht der mehrjährigen Geduld, die man in anderen prominenten Fällen seitens der Stadt übte, nicht zu erklären.

Es stellt sich nun die Frage, ob an der Erreichung des Ziels erfolgreich gearbeitet wurde?

Schon die Dauer von über 4 Jahren seit dem daran gearbeitet wurde, macht deutlich, dass von einem Erfolg nicht die Rede sein kann. Der erste Versuch einer europaweiten Ausschreibung war zwar nicht so sehr unzureichend hinsichtlich der Ausführung, als vielmehr ein fehlgeschlagener Versuch die Vorgaben des Stadtparlament zu großzügig zu interpretieren, muss aber trotzdem zur insgesamt unzureichenden Leistung hinzugerechnet werden. In Folge der Erweiterung der Aufgabe um ein Sozialprojekt kam man mit den Geistern, die man im zweiten Versuch rief, nicht
klar. Beim dritten Versuch wurde der Stadt deutlich aufgezeigt, dass sie ihre Hausaufgaben auch nach drei Jahren immer noch nicht gut genug gemacht hatte. Auch im vierten Versuch zeichnet sich das gleiche ab. Das jetzige Verfahren ist aus unterschiedlichen Gründen angreifbar und kann juristisch ausgehebelt werden. Was aber viel gravierender ist, ist dass man es in den vier Jahren – nicht zu vergessen die 7 Jahre zuvor – nicht geschafft hat einen Standort zu finden, der geeignet ist. Und nun verweisen die von den ausgewählten Standorten betroffenen Bürger ohne dafür lange überlegen zu müssen, gleich auf zwei verträglichere Standorte, Marquardter Straße und Sago-Gelände. Hinzu kommt das zögerliche und mauernde, um nicht zu sagen das intransparente Verhalten der Stadtverwaltung. Dies betrifft die Probleme in Eiche genauso wie die Probleme in Fahrland. Die Ungenauigkeiten, Unwahrheiten und Ungereimtheiten haben eine erdrückende Vielfalt angenommen. Ihre Korrekturen fielen alle zum Nachteil der betroffenen Anwohner aus. Ständig musste nachgebessert werden, bis das Bild des tatsächlich geplanten und des tatsächlich zu erwartenden deutlich wurde. Dieses Bild passt aber weder mit der Ausschreibung überein, noch passt es an die dafür gedachten Orte.

„Ein Tierheim muss gebaut werden – dorthin, wo es Mensch und Tier damit am besten geht“

Diesem Satz ist nichts hinzuzufügen. Man sollte aber erklären was er in Potsdam bedeutet.

Erstens, es muss für Potsdam ein Tierheim gebaut werden. Nur ein eigenes Tierheim für die Potsdamer ist für die Landeshauptstadt eine angemessene Lösung und angesichts der völlig überfüllten Tierheime um uns herum alternativlos.

Zweitens, sollte man klar und deutlich hinzufügen, dass der Standort so gewählt werden muss, dass das Tierheim, auch eingerechnet der rasanten demografischen Entwicklung Potsdams, auf Dauer ohne jegliche Einschränkungen betrieben werden darf. Die Tiere dürfen auch in 10, 20 oder 40 Jahren nicht eingesperrt werden, um Belastungen für die wachsende Stadt zu vermeiden. Nur solche Standorte hätten die Entwicklungsmöglichkeiten wie sie die bestehenden Konzepte vorsehen und die Realitäten im Land notwendig machen.

Wenn dann noch der richtige Partner für dieses Projekt gefunden wird, hat Potsdam alles richtig gemacht.

Wenn hierfür aus Sicht der Stadt Potsdam auch der Tierschutzverein Potsdam und Umgebung e.V. in Frage kommt, dann ist der Verein hierzu bereit. Personelle Wechsel auf beiden Seiten sind aus Sicht des Vereins hierfür nicht notwendig, jedoch steht der Tierschutzverein Potsdam und Umgebung e.V. dem aufgeschlossen gegenüber.

Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand
des Tierschutzvereins Potsdam und Umgebung e.V.

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