Frettchen (Mustela putorius furo)
Die heutigen in Heimtierhaltung vorkommenden Frettchen stammen ursprünglich vom Iltis ab, welcher in Europa und Nordafrika vorkommt. Schon im frühen Mittelalter wurden die Vorfahren unserer heutigen Frettchen zur Jagd eingesetzt, sie sind Raubtiere und als solche Carnivoren. Die Tiere wurden darauf trainiert, Kaninchen u.ä. aus ihren Bauen zu jagen, damit die Jäger sie erlegen konnten. Auch um Ernteschäden bspw. in den Kornspeichern einzugrenzen wurden Frettchen gehalten, sie jagten kleine Mäuse und Ratten und sorgten dafür, daß diese nicht übenhand nahmen.
Mittlerweile sind die kleinen Räuber domestiziert und in vielen Farben und Zeichnungen gezüchtet. Allerdings hat diese Art der Vermehrung hinsichtlich phänotypischer Merkmale den Frettchen auch das Leben gekostet – die Lebenserwartung der heutigen Tiere liegt nicht mehr bei 6 – 8 Jahren, sondern nur noch bei ca. 4 – 6 Jahren. Frettchen sind in ihrem Übergang von der Wildform zur domestizierten Form einer Entwicklung ihres Sozialverhaltens unterlegen, in Heimtierhaltung befindliche Frettchen sind immens artsozial und benötigen dringend einen Artgenossen, sonst kann es zu Verhaltensstörungen und Aggressionen des sozial vernachlässigten Tieres kommen. Frettchen sollten immer in gleichgeschlechtlichen Gruppen mit mindestens 2 Tieren, besser noch in Gruppen mit einem kastrierten Rüden und mehreren Fähen gehalten werden. Alle Tiere, Rüden und auch Fähen, sollten aus Tierschutzgründen kastriert werden. Auch hier gilt – keine Vermehrung! Es gibt nicht für umsonst viele Frettchennothilfen bzw. -vereine, die sich um die Unterbringung ungewollter Tiere bemühen!
Die Haltung von Frettchen ist nicht zuletzt aufgrund ihrer Größe im Wohnbereich sehr anspruchsvoll, die Tiere benötigen viel Auslauf und schlafen tagsüber meist. Frettchen sind dämmerungs- und nachtaktiv, aufgrund dessen und ihres scharfen Gebisses keinesfalls als Spielkameraden für Kinder geeignet.
Frettchen sind sehr neugierig und gelangen aufgrund ihrer guten Fähigkeiten beim Klettern und Springen fast überall hin. Der gesamte Auslauf ist für sie ein großer Spielplatz, sie müssen alles untersuchen. Das kostet mit Sicherheit einiges an Wohnungsinventar, deshalb sollte man die Wohnung so weit wie möglich Frettchen – sicher gestalten oder besser noch einen ganzen Raum als Auslauf Frettchen – gerecht umbauen. Im Gegensatz dazu sind Frettchen keine Nagetiere und “nagen” von daher auch nichts an – ihre Neugier ist eher mit denen junger Hunde und Katzen vergleichbar, die auch aus Übermut mal ihre Krallen am Sofa schärfen oder versuchen, sich in den Polstersessel einzugraben.
Frettchen haben einen ausgeprägten Geruchs-, Tast- und Hörsinn, die Sehsinnesleistung ist weit weniger stark. Alle Frettchen müssen, genau wie Hunde und Katzen, bei Grenzübertritt einen EU – Heimtierpass mit den entsprechenden Impfungen besitzen und ebenso gechipt und registriert sein.
Haltung:
Frettchen können sowohl im Außenbereich (wenn sie daran langsam gewöhnt werden) als auch in der Wohnung gehalten werden. Auf die Außenhaltung soll hier nicht näher eingegenagen werden, da es sich bei unseren Frettchen – wie auch bei unseren Kaninchen – um Heimtiere handelt, die in unmittelbarem Kontakt und Wohnumfeld ihres Halters stehen und untergebracht werden müssen.
Pro Frettchen ist ein Mindestplatzbedarf von 2 Kubikmetern zu rechnen, bewährt haben sich große Zimmervolieren aus Metall, aber auch hier kann man mit etwas Geschick selbst bauen.
Das Frettchengehege muß mehrere Etagen enthalten, die alle entsprechend dimensioniert sein müssen. Eine Frettchentoilette (z.B. Katzentoilette) ist selbstverständlich, aufgrund des Kotabsatzes muß sie auch täglich gereinigt werden.
Im Gehege sollten sich weiterhin Schlafhöhlen, Hängematten und starke Baumäste (Hasel, Weiden, Obstgehölze) befinden, Nippeltränke und fest installierte herausnehmbare Näpfe gehören dazu. Die Einrichtung muß nicht komplett naturnah sein – auch Spieltunnel aus Stoff u.ä. können verwendet werden. Nicht jedes Frettchen beißt in alles hinein – viele Tiere richten so gut wie keinen Schaden im eigenen Gehege an. Derart gehaltene Tiere benötigen täglich Auslauf von mindestens 3 Stunden.
Alternativ kann man die Tiere in einem extra für die Frettchen hergerichteten Raum halten – bei der Einrichtung kann man seiner Phantasie freien Raum lassen und das Zimmer mit bspw. Katzenkratzbäumen und Verbindungen zwischen diesen mehretagig abwechslungsreich gestalten. Nicht vergessen – mehrere Toiletten aufstellen, damit es sauber bleibt, denn Frettchen sind sehr reinliche Tiere! So haben die Tiere ganztags Freigang, wenn sie abends bsw. morgens munter sind muß man sich viel mit ihnen beschäftigen, damit den neugierigen Tieren nicht langweilig wird. Eine weitere, und sicher die interessanteste – wenn auch anspruchvollste – Haltungsform ist die Offenhaltung in der gesamten Wohnung. Hier kann man von morgens bis abends sein Leben mit den Tieren teilen, wie bspw. bei Hund und Katze üblich. Sollten Sie diese Form der Haltung wählen, werden Sie intensiver am Leben ihrer Tiere teilhaben und viele soziale Verhaltensweisen kennenlernen. Allerdings müssen Sie ihre Wohnung Frettchen – sicher gestalten, was viel Arbeit und Mühe kosten kann. Alle Türen, die auch verschlossen bleiben sollen, müssen extra gesichert werden, und alles Lose muß befestigt bzw. anderweitig untergebracht werden, v.a. Dinge, die sich in der Höhe befinden (Blumentöpfe, Nippes ect.). Die Kabel sollten im Auslaufgebiet ebenso gesichert werden (Kabelkanäle), obwohl Frettchen diese selten ankauen – Sicherheit geht vor!
In Wohnungshaltung befindliche Frettchen sollten die Möglichkeit bekommen, ab und zu draußen herumzutoben – dafür braucht man ein großes Freigehege (mind. 5 Quadratmeter für 2 Tiere), welches oben mit Gitterschutz gegen Beutegreifer und unterhalb ebenso bis mind. 1 Meter Tiefe + Boden gegen die Grabeaktivitäten der Tiere gesichert ist. Gitterplatten sind für die Sebstmontage im FH erhältlich, nur den Bodenaushub muß man selbst bewältigen. Die Höhe der naturnah einzurichtenden Gehege ist variabel, sollte aber 1,50 Meter nicht unterscheiten.
Sollte man seine Frettchen mit auf Spaziergänge nehmen wollen, muß einiges im Vorfeld bedacht werden. Frettchen suchen sich ihre eigenen verschlungenen Wege, sodaß man eher die Tiere beständig hinterherzieht – ob das Frettchen davon so begeistert ist? Im ZFH gibt es extra dafür angebotene Geschirre, allerdings müssen diese dem Tier auch passen. Sollte ein Frettchen entkommen, ist die Chance, daß es wieder nach Hause findet, kaum gegeben. Deshalb sollten Sie ihre Frettchen – sowie alle Tiere, die sich außerhalb der Wohnung bewegen (z.B. Hund, Katze), grundsätzlich chippen und registrieren lassen!
Ernährung:
Frettchen sind Carnivoren, also reine Fleischfresser. Mittlerweile gibt es im Handel schon gute und empfehlenswerte Fertigfuttermischungen für Frettchen, da sie als Heimtiere immer beliebter werden. Ähnlich gut zur Ernährung geeignet ist hochwertiges Katzenfutter mit einem Roheiweißgehalt über 30% und einem Fettgehalt von mehr als 20 %. Feuchtnahrung für Katzen sollte ebenso hochwertig sein und einen Proteingehalt von mehr als 15% aufweisen. Wie bei Hund und Katze sollte hier auch eine Futterumstellung nicht zum Problem werden, wechseln Sie gute Produkte ab und zu einmal und bieten Sie ihren Frettchen ein breites Nahrungsspektrum an – so bleibt es gesund und hat Freude an den verschiedenen Geschmacksrichtungen.
Alle Futtersorten sollten keinen Zucker enthalten und für das Frettchen gut verdaulich sein. Carnivoren haben einen schnellen Stoffwechsel durch das verkürzte Darmsystem, und gerade Feuchtfutter kann Zutaten enthalten, die nicht verdaulich sind. Dann kommt es beim Kotabsatz zu einer unangenehmen Geruchsentwicklung (bspw. Vergärung von pflanzlichen Rohfasern).
Zu einem ausgewogenen Speiseplan gehört auch frisches Fleisch, bspw. von Geflügel, Rind oder Kaninchen, Schweinefleisch ist nicht anzuraten. Auch die Gabe von z.B. Hühnerhälsen, Flügeln oder Keulen ist notwendig, da hier der Knochen mitgefressen wird (Zufuhr von Calzium und anderen Mineralien). Bitte beziehen Sie ihr Rohfutter von Fleischereien, die hochwertige Produkte erzeugen und bei denen Sie sicher sein können, nicht nur ihre Frettchen gut zu ernähren, sondern daß auch die Nutztiere angemessen artgerecht gehalten wurden (bspw. Neuland). Als Leckerei und gleichzeitig sinnvolle Futterergänzung empfehlen wir Vitaminpaste (im ZFH oder bei Tierärzten erhältlich).
Futter und auch frisches Wasser sollte den Tieren ob ihres carnivoren und daher schnellen Stoffwechsels immer zur Verfügung stehen. Das Anbringen einer Nippeltränke allein reicht nicht – stellen Sie ihren Tieren bitte auch Wasser in gesichert aufgestellten Näpfen zur Verfügung, sonst nehmen sie nicht genügend davon auf und dehydrieren.



