Tierschutzverein Potsdam und Umgebung e.V.

 


Mitglied im Deutschen Tierschutzbund

Goldhamster, Syrischer (Mesocricetus auratus)

Die bei uns am häufigsten gehaltene Hamsterart ist der Syrische Goldhamster, er kommt aus dem Norden Syriens und gehört zu den Mittelhamstern. In Menschenobhut befinden sich noch eine Vielzahl weiterer Hamsterarten, wie bspw. die den Zwerghamstern zuzuordnenden Dschungarischen Zwerghamster oder der Roborowski Zwerghamster, (der allgemein bekannte Teddyhamster ist eine Form des Syrischen Goldhamsters) auf die hier nicht näher eingegangen werden soll. Hinsichtlich der Vorstellung exotischer Hamsterarten möchten wir Sie an die beigefügte Linkliste verweisen.
Goldhamster leben in freier Natur unter der Erde in Bauen mit verschiedenen Höhlen und einem weitverzweigten Gangsystem. Sie sind geschickt im Wühlen und Graben, aber können nicht besonders gut klettern. Im Vergleich zu anderen Heimtieren (egal welcher Art) sind Hamster die einzigen Kleintiere, die allein gehalten werden müssen. In freier Wildbahn treffen sich die Tiere nur zur Paarungszeit und trennen sich kurz danach wieder, auch die Jungtiere werden, sobald sie selbständig sind, aus dem Bau vertrieben. In der Heimtierhaltung gibt es wenige belegte Fälle, in denen gleichgeschlechtliche Tiere (meist Wurfgeschwister) sich vertragen haben, allerdings besteht hier immer ein ganz erhebliches Risiko! Aggressionen treten meist recht plötzlich auf und sind für den Halter im Vorfeld nicht erkennbar, kommt es zum Streit endet dieser meist tödlich. Deshalb raten wir von Mehrtierhaltung bei Hamsterartigen grundsätzlich ab, das gilt auch für Paarhaltung. Einige Hamsterarten können beträchtliche Wurfgrößen erzielen und es gibt genügend Notfalltiere, die keine Chance auf ein angemessenes Leben haben und die schon jetzt keiner haben möchte!
Hamster i. A. sind nachtaktive Tiere und meist nicht sehr erfreut, wenn sie am Tag aus ihrem Schlaf gerissen werden, deshalb sind alle Hamsterarten als Heimtiere für Kinder völlig ungeeignet. Mittlerweile gibt es, ob der langen Geschichte des Goldhamsters als Labor- und Heimtier, viele verschiedene Farbschläge, aber auch Qualzuchten sind leider bekannt! Eine Besonderheit der Hamster ist der Winterschlaf. Freilebende Tiere sammeln in den Sommermonaten Nahrung (Backentaschen) und horten diese in speziell dafür angelegten Vorratskammern in den Bauen. Um im Winter “Energie zu sparen” fallen einige Arten (bspw. Goldhamster, Teddyhamster) in einen Winterschlaf, andere, wie z.B. der Dschungarische Zwerghamster, in eine spezielle Form der Kältestarre (sog. “Torpor”). Das bedeutet für unsere Heimtiere, daß es bei abgesenkten Temperaturen passieren kann, daß Sie ihren Hamster “wie leblos” auffinden – handeln sie nicht voreilig um das vermeintlich tote Tier zu entsorgen! Bitte lassen Sie die Diagnose bei einem kompetenten Tierarzt bestätigen bzw. warten Sie die Totenstarre ab, ehe Sie etwas unternehmen und damit vielleicht einen quicklebendigen, winterschlafenden Hamster begraben! Goldhamster und deren Zuchtformen haben eine Lebenserwartung von ca. 2 – 4 Jahren.

Haltung:
Hamster sind, wie alle Kleinnager, sehr saubere Tiere mit großem Revier und Bewegungsdrang. Dem sollte bei der Wahl das Käfigs und der Einrichtung Rechnung getragen werden.
Die im ZFH angebotenen Gitterkäfige sind im Hamsterbereich grundsätzlich gar nicht zu empfehlen, abgesehen davon, daß sie nicht annähernd tiergerecht sind sind sie auch unmäßig überteuert. Ein Mittelhamster braucht ein Gehege von ca. BxTxH 100×100x60, die Einstreutiefe aufgrund der Grabeaktivität sollte 30 cm nicht unterschreiten. Hier bietet sich ein großes Terrarium/ Aquarium (oben durch Gitter abgedeckt) mit guter Luftzirkulation an, am besten ist hier allerdings wieder ein Selbstbau mit einer hohen Bodenwanne und 2 – 3 flacheren Etagen. Diese kann man getrost aus Vollholz bauen – Hamster sind sehr reinliche Tiere und haben so gut wie keinen Eigengeruch. Der Gitterabstand sollte 1,20 cm nicht überschreiten. Man kann die Tiere an eine Nagerecktoilette gewöhnen, zur Ausstattung gehören ebenso Holz- und Korkröhren, -tunnel, -häuschen, Grasnester, Leitern und Rampen sowie natürliche Materialien zum Nestbau – bitte keine Hamsterwolle aus Kunststoff verwenden, sie hält die Feuchtigkeit im Nest und die Nutzung durch den Hamster kann sogar zum Strangulieren von Gliedmaßen führen. Sollten Sie sich für ein Laufrad entscheiden, achten Sie bitte darauf, daß dieses einen Mindestdurchmesser von 30 cm hat, eine geschlossene Lauffläche ohne Stoffbezug und eine Befestigung an der Rückwand, alles andere birgt leider immer wieder unterschätzte Verletzungsrisiken. Die Einstreu ist, wie bei allen hier erwähnten wühlenden und grabenden Tieren so zu wählen wie bei den Mäusen (siehe Farbmäuse). Ebenso ist für Hamster ein Sandbad unverzichtbar.
Auch Hamster brauchen täglichen Auslauf – da sie aber keine guten Kletterer sind und sich gern verstecken empfiehlt es sich, diesen nicht auf der Couch oder dem Fußboden anzubieten, sondern sich einen separaten Auslauf, der schnell auf- und wieder abbaubar ist, selbst zu bauen. Dieser kann abwechslungsreich und preiswert eingerichtet werden – Tips gibt es in den angegebenen Links.
Aus aktuellem Anlaß noch ein Wörtchen zu den vielfach im ZFH angebotenen Plastiklaufkugeln für Hamster – diese sind tierschutzwidrig und haben nichts in der Tierhaltung zu suchen!

Ernährung:
Hamster sind Nagetiere, aber keine reinen Vegetarier.
Im ZFH gibt es mittlerweile auch für Hamster gute Trockenfuttermischungen, diese sollten als Grundlage dienen. Ein hoher Anteil verschiedener Getreidesorten, Kräutern, Kleinsämereien, Trockengemüse, Trockenfrüchten, wenig Ölsaaten, wenig Nüsse, wenige Kerne ist sinnvoll. Denken Sie auch hier daran, daß ein Zuviel an Fett, Zucker und “Nebenprodukte”n gesundheitsschädlich ist. Das Trockenfutter sollte keimfähige Saaten enthalten und frisch sein. Weiterhin benötigen Hamster regelmäßig Eiweißfutter in Form von tierischem Eiweiß (wenig Käse, gekochtes Ei, Magerquark oder Magermilchjoghurt, ab und zu evtl. einen Mehlwurm, Katzenleckerchen oder Hundekuchen).
Zum Frischfutter gehören v.a. viele Kräuter, bspw. Brombeerblätter, Dill, Gänseblümchen, Gras, Grüner Hafer, Haselnussblätter, Hirtentäschelkraut, Johannisbeerblätter, Kamille, Kornblumenblüten, Löwenzahnwurzel mit Kraut, Melisse, Petersilie, Pfefferminzblätter, Ringelblumenblüten, Sauerampferkraut, Schafgarbe, Sonnenblumenblüten, Spitzwegerichkraut und Vogelmiere. Obst, Gemüse und Salate schmecken ihnen ebenfalls (alle üblichen Obstsorten, Salatsorten, sowie Gurken, Kohlrabi, Karotten ohne Kraut, Mais). Eher unverträglich sind Zwiebel- und Kohlgewächse, Kartoffeln (roh), Avocados und Kürbisgewächse. Bitte achten sie bei Eiweiß- und Frischfuttergaben darauf, daß diese auch verzehrt werden, der Hamster legt Vorräte an und das Futter könnte verderben und eine Vergiftung auslösen!
Frisches Wasser täglich aus einer Nippeltränke sollte selbstverständlich sein.
Ein Hamster besitzt sogenannte Hamsterbacken, in die er alles hineinstopft, was ihm in die Pfötchen kommt. Das kann manchmal v.a. auch bei jungen Hamstern dazu führen, daß dieses Futter in den Backentaschen verfault und eine Infektion auslöst, wenn der Hamster seine Taschen nicht regelmäßig entleert. Bitte stellen Sie bei Verdacht das Tier sofort einem kompetenten Tierarzt vor!

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