Tierschutzverein Potsdam und Umgebung e.V.

 


Mitglied im Deutschen Tierschutzbund

Hausmeerschweinchen (Cavia porcellus)

Die ursprüngliche Heimat der heute in Heimtierhaltung lebenden Meerschweinchen ist Mittel- und Südamerika, die Domestikation der Wildform begann dort schon vor mehreren tausend Jahren. Ursprünglich wurden die Tiere dort als Nutztiere gehalten, ähnlich wie bei uns Rinder und Schweine. Durch ihre frühe Domestikation gibt es sie in den unterschiedlichsten Rassen (Farben, Zeichnungen, Fellstruktur), leider sind auch viele Qualzuchten (bspw. sog. Nacktmeerscheinchen) bekannt. Aufgrund der Lebenserwartung und des unverantwortlichen Verhaltens einiger Halter kommt es immer wieder zu einem hohen Notfalltieraufkommen, bitte bedenken Sie das und vermehren Sie ihre Tiere nicht! Die Nachkommen sind schwer unterzubringen und es gibt mehr heimatlose Meerschweinchen, als Sie denken! Die Wildform der Meerschweinchen (Cavia aperea) ist dämmerungsaktiv, lebt gern in schon vorhandenen Höhlen bzw. Felsenlöchern und ernährt sich rein pflanzlich.
Meerschweinchen sind Gruppentiere und leben in freier Wildbahn in Gruppen von mehreren Weibchen und einem Bock, samt Nachwuchs. Die Tiere haben eine feste Rangordnung und Jungböcke werden nach Erreichen der Geschlechtsreife vertrieben, um Inzucht zu vermeiden.
Daher gilt auch hier: niemals nur ein Tier allein halten, der Mensch kann keinen Artgenossen ersetzen! Halten sie mindestens 2 Meerschweinchen, eine Gruppenhaltung von mehreren Weibchen und einem kastrierten Böckchen ist artgerecht und die Meeris können ihr Sozialverhalten ausleben. Alternativ bietet sich die Haltung von gleichgeschlechtlichen Wurfgeschwistern an, bei der Integration von fremden Tieren sollten Sie sich fachgerecht beraten lassen (siehe Linkliste). Von einer artfremden Vergesellschaftung können wir grundsätzlich nur abraten – ein Kaninchen z.B. kann keinen Partner ersetzen und die Haltung kann problematisch werden, wie jede andere Einzelhaltung von sozialen Tieren auch. Meerschweinchen können acht bis zehn Jahre alt werden, bitte bedenken Sie dieses vor der Anschaffung! Oftmals besteht gerade bei Kindern der Wunsch nach diesem beliebten Heimtier – allerdings ist nicht jedes Meeri ein Schmusetier und menschenbezogen, der Käfig muß regelmäßig gereinigt werden, die Tiere brauchen Auslauf und die Haltung kann auch finanziell aufwändig werden.
In Außenhaltung befindliche Meerschweinchen müssen, wie auch Kaninchen, geimpft werden!

Haltung:
Meerschweinchen sind entgegen der landläufigen Meinung sehr bewegungsfreudige Tiere, sie rennen, klettern und toben gern miteinander. Dementsprechend sollte auch das Gehege gestaltet sein, eine Mindestraumgröße pro vorhandenem Tier von einem Kubikmeter ist angemessen. Hier ist wieder ein Selbstbau angebracht, Sie können allerdings auch eine artgerechte Käfiganlage von bspw. www.system-finster erwerben. Ein Selbstbau aus Holz ist immer ein Blickfang in der Wohnung, und sicher kostengünstiger als ein fertig gekaufter Käfig, er sollte großräumig und mit mehreren Etagen und Rampen ausgestattet sein.
Die handelsüblichen Käfige für Meerschweinchen sind zu klein und zu flach, und von daher weder für die Haltung, noch für den Geldbeutel zu empfehlen.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Kleinnagern können Meerschweinchen auch in einer offenen Anlage (ohne Gitter) gehalten werden. Diese sollte eine Begrenzung von mind. 20 cm Höhe besitzen, damit die Tiere nicht herausfallen oder sich verletzen. Dem Ideenreichtum des Halters sind bei der Konstruktion keine Grenzen gesetzt. Anregungen finden Sie in der beigefügten Linkliste.
Das Gehege sollte mit einer weichen Schicht staubarmer Einstreu ausgestreut sein, darüber kann mit Stroh und Heu ausgepolstert werden. Kontrollieren Sie bitte regelmäßig auch die Fußunterseiten der Tiere, da bei zu harter Einstreu sich Ballenabszesse bilden können. Auch Meerschweinchen bevorzugen meist nicht nur eine Toilettenecke und müssen daher mindestens 1 x pro Woche gereinigt werden. Da die Tiere gern nagen, sollte man als Unterschlupf und zur Beschäftigung Holztunnel, Häuser aus Holz, Unterschlupf auf Korkeichenrinde und naturbelassene Äste (Weiden, Kernobstgehölze, Hasel, Nadelgehölze) anbieten. Eine Heuraufe für frisches Heu und standfeste Tonnäpfe für Futter und Wasser (obere Etagen wegen Verschmutzung) müssen ebenfalls vorhanden sein. Für die Abnutzung der Krallen kann ein Stein im Gehege bzw. eine umgedrehte Fliese sorgen, und um den Tieren einen tollen Kuschelplatz zu bauen, bietet sich eine Hängematte bzw. -höhle in ca. 20 cm über dem Boden an. Für den täglichen Auslauf in der Wohnung planen Sie bitte ca. 2 Stunden ein, sollte die Wohnung nicht Meerschweinchen – sicher gestaltet sein, können Sie den Tieren alternativ auch einen selbstgebauten Auslauf (evtl. wieder einfach abzubauen, wenn wenig Platz), der immer wieder neu gestaltet werden kann, anbieten. Dieser sollte mindestens 2 Quadratmeter umfassen. Wenn Sie ihren Tieren auch Weidenbrücken, Pappröhren oder Heunester zur Verfügung stellen möchten, achten Sie bitte auf ausreichende Größe (Gefahr des Steckenbleibens!) und Materialstabilität, nicht selten ist schon ein Tier unter einer instabilen Holzbrücke verunglückt, wenn ein anderes diese benutzt hat!
Im Sommer sollten Sie ihren Tieren auch ein Außengehege im Grünen anbieten – auch hier laäßt sich einiges selbst für wenig Geld bauen. Die Tiere werden den Aufenthalt draußen genießen! Bitte beachten Sie die Sicherung der Anlage gegen Raubtiere bzw. neugierige Hausgenossen, sie sollte oben gesichert sein und unterhalb einen Grabeschutz gegen bspw. Marder besitzen. Auch hier dürfen Schattenbereich, Versteckmöglichkeiten und Wasserschale nicht fehlen.

Ernährung:
Meeris besitzen ein Verdauungssystem ohne Peristaltik, das heißt, daß sie auf ständigen, rohfaserreichen Nahrungsnachschub angewiesen sind. Sie müssen über den Tag verteilt permanent Futter aufnehmen, sonst funktioniert die Verdauung nicht. Hauptsächlich ernähren sich die Nager von hochwertigem Heu und Kräutern, frisches Grün, Rinde, Zweige, Blätter und Wurzelgemüse dürfen nicht fehlen. Die Zähne wachsen ständig nach und benötigen einen entsprechenden Abrieb, der nur durch naturnahe Futterzusammensetzung erreicht werden kann.
Die meisten im ZFH angebotenen Leckereien für Meerschweinchen schaden den Tieren durch einen viel zu hohen Anteil an Zucker, Fett und Protein. Meerschweinchen ernähren sich rein pflanzlich und tierische Produkte (Milchprodukte bspw.) führen zu immensen gesundheitlichen Schäden! Auch Getreide und dessen Produkte gehören nicht in den Napf, die Körner sind zu reich an Stärke (Zucker!) – das gilt auch für hartes Brot. Geben Sie eher getrocknetes Gemüse als Leckerei.
Als Hauptfutter neben gutem Heu ist frisches Gras angebracht, da allerdings die hiesigen Gräser nicht genügend Vitamin C wie im Herkunftsgebiet der Tiere enthalten, müssen auch täglich frisches Gemüse (Gurke, naturbelassener Salat ect.), frische Kräuter (Löwenzahn, Kohldistel, Beifuß, Kamille, Ackerminze, Petersilie, Basilikum, Blumen (mit Blüten) wie Sonnenblumen, Ringelblumen, Möhrenkraut, Fenchelgrün, Kohlrabiblätter ect.) und gelegentlich auch Obst angeboten werden. Unverträglich bzw. giftig sind für Meerschweinchen alle Kohlsorten, Hülsenfrüchte, exotische Früchte und einheimische zuckerreiche Früchte, natürlich Nachtschattengewächse, die meisten Zierpflanzen und alle uns bekannten Giftpflanzen.
Ein derart ernährtes Meerschweinchen wird sich ein Leben lang bester Gesundheit erfreuen, und benötigt weder einen Mineralstein (Salzlecksteine sind für Meeris gesundheitsschädlich), noch Trockenfutter. Dieses ist zu energiereich und sorgt auf Dauer für Verdauungsprobleme und Verfettung, bzw. Organschäden. Einzig Pelletfutter auf Basis getrockneter Gräsern und Kräuter kann man, bei Bedarf, zusätzlich anbieten, z.B. in Außenhaltung bei erhöhtem Nährstoff- und Energiebedarf.

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